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Wittlager Kreisblatt

29. April 2010, Seite 21

 

Anmerkung DTH: Da in diesem Artikel im Grunde nur über die Arbeit des geschätzten Kollegen Obernüfemann berichtet wird, hier noch eine kleine Information über den Parallelkurs: Wir arbeiteten an einer Installation auf dem Gelände der Kunstschule Bad Essen.

Unter dem Oberthema Soziale Kompetenz untersuchten wir die Möglichkeiten des Raumes, unsere Verortung darin sowie die allmähliche Hinwendung zu Avataren, die stellvertretend für uns den Raum ausfüllen. Ziel des Kurses ist die praktische Annäherung an die Idee der Sozialen Plastik von Joseph Beuys gewesen.

 

 


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Das wesentliche formale Element der Installation ist die Begehbarkeit, aus der sich neue Blickwinkel und Zusammenhänge nach und nach ergeben. – Die Freude an dem Wechselspiel aus Material, Farbe und ihren gedachten fließenden Vektoren geht einher mit der Überraschung, dass hier viel mehr verborgen lag als zuvor angenommen.

Das wesentliche inhaltliche Element ist die Begegnung verschiedener Materialien zu einem großen Werkkomplex.

Das Wesentlichste überhaupt aber ist die Entstehungsgeschichte, die auf die sogenannte Prozessualität verweist: Die Schülerinnen und Schüler konnten hier ihr Kunstverständnis erweitern, indem sie nicht auf Vorgefertigtes sondern auf Verfallenes trafen. Die Baumstümpfe erschienen spröde und ihr ästhetisches Potenzial lag brach.

Die dynamische Zusammenarbeit der Schüler – oder auch das einsame Arbeiten, wenn eine neue »Brücke« für die anderen gebaut werden musste – zeigt indes, was ästhetische Eingriffe grundsätzlich bedeuten: Sie sind formulierte Vorschläge. Gerade dieses aus-sich-heraus-Gehen ist der erste Schritt in Richtung Kunst.

Das heißt auch, dass diese Installation für zwei wichtige Merkmale der Sozialen Plastik von Joseph Beuys steht: für das gemeinsame Tun und für die daraus resultierende Veränderung der Um- und Innenwelt hin zu einem Ganzen, dessen sichtbares »Beiwerk« – das Kunstwerk – auf eben diese Verbrämung verweist.

Daniel Torrado Hermo

 

 



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